Staatsanwaltschaft und Wirtschaftsprüferkammer ermitteln wegen Gaffel-Brauerei
Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen bei der Brauerei Kölsch aufgenommen. Die Ermittlungen richten sich gegen den Mehrheitsgesellschafter Heinrich Becker und zwei Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ebner Stolz Mönning und Bachem. Sie sollen gegen die Berufspflichten verstoßen haben. Die Wirtschaftsprüferkammer hat ein Verfahren eingeleitet.
Johannes Becker wirft seinem Bruder Heinrich vor, mit Hilfe zweier Wirtschaftsprüfer im Jahr 2009 den Millionenverlust der Brauerei in einen Gewinn umgemünzt zu haben, um die Banken zu täuschen. Damit sollte vermieden werden, dass die Banken die Zinsen erhöhen oder gar die Fälligstellung laufender Kredite herbeiführen. Die Brauerei hat Schulden in Höhe von 19 Mio. Euro. Johannes Becker ist der Meinung, sein Bruder Heinrich habe die florierende Brauerei innerhalb von drei Jahren in die schwerste Krise in der 103-jährigen Geschichte geführt.
Heinrich Becker weist die Vorwürfe zurück. Bei einem Umsatz von gut 44 Millionen Euro habe die Brauerei letztlich einen Verlust von gut 500 000 Euro ausgewiesen. Als Grund nannte er erhöhte, aber nicht liquiditätswirksame Abschreibungen auf Beteiligungen und Grundstücke. Man habe alten Ballast abgeworfen. Seitdem soll sich laut Heinrich Becker die Lage des Brauhauses deutlich gebessert haben.
Zum anderen habe Gaffel das Gelände der ehemaligen Richmodis-Brauerei in Porz neu bewertet. Ursprünglich war ein Umzug von Gaffel vom Eigelstein nach Porz geplant, der jedoch verschoben wurde. Damit sei das Gelände in Porz nicht mehr betriebsnotwendig gewesen und hätte abgeschrieben werden müssen, so Heinrich Becker. Operativ habe die Gaffel Brauerei einen Gewinn zwischen einer und zwei Millionen Euro erzielt, so Becker. Und für 2010 habe sowohl das operative Ergebnis als auch der Überschuss im Millionenbereich gelegen. Auch die Fremdfinanzierung sei heruntergefahren worden. Nachprüfen lassen sich die Angaben nicht, weil die Brauerei die Geschäftszahlen nicht veröffentlichen muss. Laut manager magazin hat auch Mitgesellschafter Johannes Becker noch nicht die endgültigen Bilanzen für 2009 und 2010 gesehen.
Die Becker-Brüder befehden sich seit vier Jahren. Damals setzte Heinrich seinen Bruder als Co-Geschäftsführer ab. Mit einer Klage dagegen scheiterte Johannes Becker im Sommer vor Gericht. Er hat aber Revision vor dem Oberlandesgericht eingelegt.